„…und plötzlich ist da ein großes Gewölbe.“

Eigentlich müsste es dem Bauherrn und dem Oberbürgermeister die Schamröte ins Gesicht treiben hinsichtlich der peinlichen Situation, in die sie sich sehenden Auges hinein manövriert haben.

Aber erwarten kann man ein ehrliches Schamgefühl wohl doch nicht, denn wer trotz der dutzendfachen Aktionen für den Erhalt des barocken Einzeldenkmals zu einer derartigen Ignoranz und Starrköpfigkeit in der Lage ist, dem kann man auch weiterhin ein fast beneidenswertes Beharrungsvermögen zutrauen angesichts der fatalen Unfähigkeit, die eigenen Fehlpositionen zu erkennen.

Was schon vor Monaten in vielen Gesprächen befürchtet wurde, ist nun passiert. Der überaus fragwürdige Erhalt der einzelnen Außenwand ist nicht gelungen. Somit wurden zig-tausend Euro in den Sand gesetzt. Das alles wäre zu vermeiden gewesen, weil es bessere Lösungen gab. Und es war unter anderem auch bekannt, dass die Baugrundsituation – die man sträflich vernachlässigt hat – bereits im Rahmen von früheren Untersuchungen als sehr problematisch eingeschätzt worden war.

Das Ganze wirkt nun für die Öffentlichkeit und sicher auch für viele Stadträte wie ein Schildbürgerstreich, und so mancher wird merken, dass er an der Nase herumgeführt worden ist.

Weil man den Glauben an das Gute im Menschen aber nicht ganz verlieren möchte, sollte auch hier der schöne Satz von Goethe gelten, den er seinen Faust sagen lässt: Der Mensch in seinem dunklen Drange, ist sich des rechten Weges wohl bewusst!

Der rechte Weg könnte darin bestehen – und damit soll eine Brücke gebaut werden -, dass nach dem Totalabriss gemeinsam eine gute Lösung für den Standort der ehemaligen Nummer 9 gefunden wird. Der Bauherr sollte mit dem Stadtforum und ausgewählten Fachleuten ein Gespräch führen, denn hier steht eine neue, anspruchsvolle Aufgabe an. Wenn eine geeignete Planung vorliegt, sind die Stadträte einzubeziehen!

Wie Rüger betont, wird es trotz des Abrisses keine Änderung an der bisher vorliegenden Architektur des neuen Areals am Markt geben. Die neue Wand werde in Form und Höhe der alten entsprechen. Auch das Dach wird so gebaut, dass die bisherige Blickbeziehung zwischen Markt und Brüderkirche nicht gestört wird. (OVZ, 13. März 2012, S. 11)

Nach Entfernung der letzten Originalsubstanz kann es selbstverständlich keine neue, nachempfundene Barockfassade geben. Es muss eine zeitgemäße Architektur entstehen, die sich in die städtebauliche Situation wohltuend einfügt. Alles andere wäre erneut fachlicher Unfug.

 

Das Stadtforum Altenburg begleitete und kommentierte den Abriss des Areal am Markt an anderer Stelle: http://stadtforum-altenburg.de/?p=2150