Vielleicht schon als Zwangsrenaturierung im Hinblick auf die Landesgartenschau 2032 angedacht, tut sich in der Kesselgasse nun eine weitere, klaffende Leerstelle in der gewachsenen Bebauung und Lokalgeschichte auf. Gleich drei Häuser fallen derzeit sang- und klanglos, zwei davon schon lange Zeit im Eigentum der Städtischen Wohnungsgesellschaft, durch ausbleibende Sicherung oder Sanierung in den Zustand der Abbruchreife gebracht. Das dritte, das Einzeldenkmal Kesselgasse 7, seit Jahren unverantwortlich vom privaten Eigentümer vernachlässigt. Aber auch hier hätte eine konsequente Anwendung des Denkmalrechtes (Sicherungsaufforderung, Ersatzvornahme) das Haus erhalten können. Der Straßenzug büßt damit nicht nur die letzten Schildhalter touristischer Aufenthaltsqualität ein, sondern wie das ganze Areal seinen innerstädtischen Charakter, der Jahrhunderte Zeit und Mühe gekostet hat, um hervorzutreten und zu gedeihen. Fast meint man sich an Andreas Gryphius gemahnt, wenn dieser schreibt: „Wo itzund Städte stehn/ wird eine Wiesen seyn/.“ Das war allerdings inmitten des Dreißigjährigen Krieges, als Städte aufgrund von Zerstörung und Chaos zu einem Schatten ihrer selbst wurden; derzeit wird eher ein Kulturkampf gegen vermeintliche „Schandflecke“ geführt, die kommende Generationen noch bitter beklagen werden, da sie nicht nur die physische, sondern auch die kulturelle Identität unserer Stadt gefährden.
Gleichgültigkeit und Resignation gegenüber dem architektonischen Erbe werden beileibe keine Gartenstadt schaffen, sondern trostlose Trümmerwüsten zurücklassen, die an vergangenen Glanz und Stolz nur noch als blasse Erinnerung erinnern. Denn perspektivisch wird eine Neubebauung wohl nicht realisiert, eher eine trostlose Nutzfläche, wie bereits nebenan zu bewundern, die den Eindruck einer Stadt erweckt, die ihre Seele verloren hat. Trotz positiver Beispiele bei Sicherung und Sanierung durch private Investoren sowie die Stadt Altenburg selbst (Johannisstraße 8), sind im Angesicht weiterer, drohender Abgänge mehr denn je Politik und Gesellschaft gefragt, um Altenburgs 1050 Jahre nicht zur Fußnote eines Abgesanges werden zu lassen – es lohnt sich, aktiv für die Erhaltung und Pflege unseres historischen Erbes einzutreten, denn nur so kann eine lebendige, zukunftsfähige Stadt entstehen, die sowohl Einheimischen als auch Besuchern ein Gefühl von Zugehörigkeit und Kultur vermittelt.


Fotos (c) Stadtforum Altenburg und Deutsche Fotothek, Dresden [https://www.deutschefotothek.de/documents/obj/20471571]