Redebeitrag des Stadtforums auf der Kundgebung „Adieu, altes Haus!“ am Tag des offenen Denkmals, 11. September 2011

Liebe Denkmalfreunde, liebe Altenburger,

nun ist es Gewissheit: Die Häuser am Areal am Markt werden abgerissen! Ein Bauzaun steht bereits, vielleicht als eine Art Bannmeile, damit man den bedrohten Häusern ja nicht zu nahe kommt. Ganz besonders bitter ist der Verlust der beiden Häuser „Bei der Brüderkirche 9“ und „Klostergasse 5“.

Das Stadtforum Altenburg hat in den letzten zwei Jahren mit allen möglichen Anstrengungen für den Erhalt dieser beiden Gebäude gekämpft.

  • Warum werden diese Häuser abgerissen? Bescheinigt nicht inzwischen die Städtische Wohnungsgesellschaft mbH (SWG) selbst, dass diese Häuser sanierungsfähig sind?
  • Warum werden diese Häuser abgerissen, wenn doch nachgewiesen ist, dass eine Sanierung zweifelsfrei kostengünstiger als Abriss und Neubau ist? Im Übrigen hat diesen Nachweis ein von der SWG selbst beauftragtes Gutachten erbracht.
  • Warum werden diese Häuser abgerissen, wenn es zumindest für das barocke Einzeldenkmal ein ernst zu nehmendes Kauf- und Sanierungsangebot gab?
  • Warum werden diese Häuser abgerissen, wenn Denkmalämter, Ministerien, Förderstellen des Bundes und des Landes sowie Expertengruppen in Thüringen und ganz Deutschland ihr Veto einlegen und Fördermittel in Aussicht stellen? Wie sollen in Zukunft Denkmalauflagen vermittelt werden, wenn die Stadt ohne Zwang Denkmale abreißt?

Diese Fragen können nur der Oberbürgermeister und die SWG beantworten!

Wir alle wissen, dass das Bauvorhaben der SWG auch mit der Sanierung dieser beiden Häuser hätte realisiert werden können.

Das Stadtforum Altenburg hat diese Wege aufgezeigt und öffentlich zur Diskussion gestellt. Was wir nicht geschafft haben, ist zu überzeugen – die Mehrheit des Stadtrates und die Altenburger Bürger.

Das Stadtforum war nie gegen die Bebauung – gleichwohl wurde man nicht müde, dies zu behaupten. Stattdessen stand und steht das Stadtforum:

  • für den Erhalt der kulturhistorisch wertvollen Altstadt für den Erhalt möglichst aller Altenburger Baudenkmale
  • für eine weitsichtige Stadtplanung und behutsame Stadtentwicklung
  • für eine aktive Einbeziehung von Bürgerschaft und Stadtrat und
  • für eine starke Identifizierung der Bürger mit ihrer über 1000-jährigen Stadt.

Das Thema des diesjährigen Tages des offenen Denkmals lautet: „Romantik, Realismus, Revolution“. Gemeint ist eine Epoche des Umbruchs und der Erneuerung, gemeint ist das 19. Jahrhundert.

Doch wenn wir das Motto auf unsere Situation hier in Altenburg beziehen, fragen wir uns, waren es romantische Wunschträumereien, sich für zwei wertvolle, stadtbildprägende Denkmale unserer Stadt einzusetzen? Ist es einfach nur realistisch, wenn wir hören, nicht jedes Denkmal, was sanierbar sei, kann auch erhalten werden? Und braucht es manchmal vielleicht doch eine kleine Revolution, um die Menschen in dieser Stadt wach zu rütteln, und um uns den Irrsinn, der gerade vor unseren Augen verzapft wird, klarzumachen?

Und ist jetzt unsere Revolution gescheitert? Haben wir verloren, wenn jetzt abgerissen wird?

Als kleinen Trost haben wir an unserem Stand eine Tafel, auf der wir den ersten Entwurf für die Neubebauung des Areals vom Oktober 2009 dem jetzigen Ausführungsentwurf gegenüber stellen:

  • Wir haben erreicht, dass der Neubau sich nicht 15 m nach Süden erstreckt und den historischen mittelalterlichen Stadtgrundriss verändert.
  • Wir haben erreicht, dass die Bauhöhen auf ein annähernd erträgliches Maß reduziert wurden und eine kleinteilige Fassadenstruktur wenigstens angedeutet wurde.
  • Wir haben leider auch erreicht, dass uns jetzt historisierende, kleingeistige Fassaden als Architektur des 21. Jahrhunderts verkauft werden.

Wir sind der Ansicht, dass wir nicht verloren haben. Wir sind der Meinung, dass diese zwei Jahre ganz wichtig waren für Altenburg, für einen Demokratisierungsprozess, ganz wichtig für die Auseinandersetzung mit unserer Stadt und auch ganz wichtig für die Frage: Was haben wir daraus gelernt, wo wollen wir in Zukunft hin?

Und das Stadtforum Altenburg will eine Fortsetzung der vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern des Stadtrates sowie allen engagierten Bürgern, um mit diesen gebündelten Kräften die jeweils beste Lösung für die Stadt zu erreichen.

Doch es ist schwer für das Stadtforum. Ist doch die Haltung des Oberbürgermeisters gegenüber den Mitgliedern des Stadtforums im Wesentlichen von Ablehnung und Ausgrenzung, Diffamierung und Misstrauen gekennzeichnet. An dieser Stelle muss sich ganz grundsätzlich etwas ändern. Das wollen wir erreichen, und deshalb wird es an dieser Stelle auch deutlich angesprochen.

Und wenn man uns lässt, wollen wir auch in Zukunft versuchen, Altenburg mitzugestalten.

Themen wird es auch künftig genug geben: Inzwischen ist in der letzten Stadtratssitzung das Quartierskonzept für das Quartier 15, die große Brache gleich hier nebenan, beschlossen worden. Ein Konzept, das wir zu Beginn der Debatte um das Areal am Markt vor zwei Jahren ausdrücklich eingefordert haben und im Folgenden die Stadträte auch in Auftrag gaben. Nun soll das schon seit langem geplante Quartierparkhaus realisiert werden, das nach Vorschlägen des Stadtforums auch den Parkplatzbedarf für das Areal am Markt nicht nur hätte aufnehmen können, sondern für das ein Abriss des Barockhauses wegen 6 Parkplätzen nicht notwendig wäre. Erfreulich ist, dass dank der Arbeit des Stadtforums durch schriftliche Stellungnahmen und Arbeitstreffen zwischen Stadtplaner und Stadtverwaltung die unsererseits favorisierte Lösung mit einer Blockrandbebauung zum oberen Abschluss des Topfmarktes bevorzugt wird.

Das Stadtforum Altenburg will mitarbeiten und bei der geplanten Fortschreibung der Sanierungsziele für das Sanierungsgebiet in der Altenburger Altstadt einbezogen werden.

Weitere Themen, die auf der Tagesordnung stehen, sind das Quartierskonzept für die Roten Spitzen, die Diskussion und Vorstellung des neuen Einzelhandelskonzeptes sowie die Umsetzung des schon vor knapp zwei Jahren veröffentlichten Stadtmarketingkonzepts. Auch sind Konzepte für wichtige Einzelobjekte erforderlich sowie eine Prioritätenliste, um den Handlungsbedarf bei einzelnen Denkmalen aufzuzeigen.

Wir müssen darüber hinaus versuchen, private Hauseigentümer vom Wert ihrer Denkmale zu überzeugen und Wege aufzeigen, wenigstens Sicherungsmaßnahmen durchzuführen. Wir sehen ganz aktuell diese Versäumnisse am Beispiel der Pauritzer Straße 1 und des Hauses Theaterplatz 6, wo nur noch die Straßenfassaden gerettet werden können. Oder besonders erschreckend das Willgerothsche Haus, wo ein Komplettabriss eine städtebaulich katastrophale Situation schafft.

Bedenklich wird es, und hier müssen wir als Stadtforum ansetzen, wenn im Haushalt der Stadt Abrissmittel als Aufwertungsmaßnahmen deklariert werden und die Osterländer Volkszeitung schreibt: „Damit gewinnt das Areal um den Goldenen Pflug weiter an Attraktivität.“ (OVZ, 30.08.2011, S. 13)

Das Stadtforum Altenburg hat demnach viel vor, und wir wollen uns nicht entmutigen lassen. Doch berührt uns momentan das Gefühl von völligem Unverständnis darüber, was hier vor unseren Augen passiert.