{"id":971,"date":"2009-09-29T21:18:30","date_gmt":"2009-09-29T20:18:30","guid":{"rendered":"http:\/\/stadtforum-altenburg.de\/?p=971"},"modified":"2011-01-31T16:10:53","modified_gmt":"2011-01-31T15:10:53","slug":"pressemitteilung-stadtforum-leipzig-29-september-2009","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtforum-altenburg.de\/?p=971","title":{"rendered":"Situation von Denkmalschutz und Denkmalpflege in einer ehemaligen Th\u00fcringer Residenzstadt"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #888888;\"> <\/span><span style=\"color: #888888;\">Altenburg, im \u00e4u\u00dfersten Osten Th\u00fcringens gelegen, war bis zum Ende des deutschen Kaiserreichs 1918 Residenz der Herz\u00f6ge von Sachsen-Altenburg. Dieser Epoche verdankt die Stadt eine Vielzahl imposanter Geb\u00e4ude wie <!--more-->Schloss, Marstall, Teehaus mit Orangerie, Herzogin-Agnes-Ged\u00e4chtniskirche, Landestheater, Landratsamt (ehem. Ministerium), ehem. Landesbank, Lindenau-Museum u.v.m. Hinzu kommen noch eine Reihe mittelalterlicher Bauten \u2013 Bartholom\u00e4ikirche, Nikolaikirchturm und allen voran die Roten Spitzen (ehem. Augustiner-Chorherrenstift \u2013 gegr\u00fcndet von Kaiser Friedrich Barbarossa). Die Einzigartigkeit der Stadt liegt aber darin, dass diese historischen Geb\u00e4ude eingebettet sind in eine Altstadt, die trotz baulicher Ver\u00e4nderungen ihren mittelalterlichen Stadtgrundriss bis heute weitgehend behalten hat.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #888888;\"> <\/span><span style=\"color: #888888;\"><span style=\"color: #888888;\">Im Gegensatz zu vielen St\u00e4dten Deutschlands, f\u00fcr die die Zerst\u00f6rungen im 2. Weltkrieg schmerzliche Verluste an historischer Bausubstanz brachten, war die str\u00e4fliche Vernachl\u00e4ssigung der Innenstadt in den 40 Jahren DDR f\u00fcr Altenburg die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung. Viele Geb\u00e4ude konnten nicht erhalten werden, standen leer, verfielen zusehends; ganze Stra\u00dfenz\u00fcge wurden abgerissen.<\/span><span style=\"color: #888888;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"color: #888888;\"> Mit der Wende wurde der Abriss gestoppt. Die Stadtv\u00e4ter erlie\u00dfen sowohl eine Sanierungs- als auch eine Erhaltungssatzung f\u00fcr die Altstadt. Altenburg wurde in die Bund-L\u00e4nder-St\u00e4dtebauf\u00f6rderprogramme aufgenommen. Mit Hilfe der Millionen F\u00f6rdergelder, die seit 1990 geflossen sind, konnten die wichtigsten Geb\u00e4ude erhalten oder zumindest baulich gesichert werden, so dass sie nicht weiter verfielen. Neben Schloss, Lindenau-Museum, Theater, Mauritianum, Rote Spitzen, Nikolaikirchturm, Kunstturm u.v.m. konnten auch viele B\u00fcrgerh\u00e4user seitdem gerettet und wieder genutzt werden.<\/span><span style=\"color: #888888;\"> <\/span><span style=\"color: #888888;\">Die wirtschaftlich und demografisch schwierige Situation mit anhaltend sehr hoher Arbeitslosigkeit und fortw\u00e4hrendem Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang einerseits und die Nichtachtung des historischen Erbes in seiner Komplexit\u00e4t bei der Verwaltungsspitze f\u00fchren in Bezug auf die denkmalgesch\u00fctzte Innenstadt seit mehreren Jahren zu einer gef\u00e4hrlichen Entwicklung: w\u00e4hrend weiterhin Millionen in die &#8222;Leuchtt\u00fcrme&#8220; flie\u00dfen, werden unsanierte und leer stehende B\u00fcrgerh\u00e4user oder auch ehem. Schulgeb\u00e4ude nur noch als &#8222;Schandfleck&#8220; bezeichnet, deren m\u00f6glichst schneller Abriss zur Verbesserung des Ortsbildes dringend geboten erscheint. Nach dem Abriss bleiben fast immer Brachfl\u00e4chen zur\u00fcck oder es entstehen, wenn in Ausnahmef\u00e4llen die L\u00fccken \u00fcberhaupt wieder bebaut werden, gesichtslose Allerweltsbauten, die wenig Bereicherung f\u00fcr das denkmalgesch\u00fctzte Gesamtensemble darstellen.<\/span><span style=\"color: #888888;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"color: #888888;\"> Bedauerlich ist, dass diese Kampagne auch von der lokalen Presse weitgehend mitgetragen wird. So wird bspw. allen ernstes in einem Artikel der Abriss denkmalgesch\u00fctzter Bebauung als letzte Chance f\u00fcr die Entwicklung der Innenstadt propagiert.<\/span><span style=\"color: #888888;\"> <\/span><span style=\"color: #888888;\">Aktuelles Beispiel f\u00fcr den Altenburger Abrisswahn ist das sog. &#8222;Areal am Markt&#8220; an der Westseite des st\u00e4dtebaulich einzigartigen Marktplatzes, der mit 200 m L\u00e4nge zu den gr\u00f6\u00dften Mitteldeutschlands z\u00e4hlt. In dem betreffenden Quartier zwischen Markt und Br\u00fcderkirche wurden schon in den 1990er Jahren einige Geb\u00e4udeabbr\u00fcche vorgenommen. Die wichtigen Raumkanten zum Markt und zur Stra\u00dfe \u201eBei der Br\u00fcderkirche\u201c blieben gl\u00fccklicherweise bis heute erhalten. Unzweifelhaft stellt dieser Bereich der Altstadt aufgrund der unbebauten Grundst\u00fccke und der Leerst\u00e4nde einen st\u00e4dtebaulichen Missstand dar, dessen Beseitigung vordringliches Ziel der Stadtsanierung sein sollte.<\/span><span style=\"color: #888888;\"> <\/span><span style=\"color: #888888;\">Nun gab es in den letzten 20 Jahren schon mehrere Anl\u00e4ufe zur Bebauung. Waren es in den Jahren des vereinigungsbedingten, abschreibungsunterst\u00fctzten Baubooms der 1990er Jahre noch Privatinvestoren, die hier ein Kaufhaus und ein Multiplexkino errichten wollten, trat nach 2000 eine l\u00e4ngere Ruhephase ein. Vor zwei Jahren dann wollte der Oberb\u00fcrgermeister durch einen bayrischen Investor ein Technisches Rathaus samt Stadtbibliothek, Stadtarchiv und dazugeh\u00f6renden Parkhaus errichten lassen. Die Verwaltung sollte sich dort langfristig einmieten. W\u00e4hrend die Kaufhausplanungen noch halbwegs die st\u00e4dtebaulichen Gegebenheiten der Altstadt mit ihrer kleingliedrigen Struktur ber\u00fccksichtigten und auch das vorhandene Einzeldenkmal Bei der Br\u00fcderkirche 9, ein barockes B\u00fcrgerhaus mit im Original erhaltenen typischen Altenburger Treppenhaus, bewahrt und saniert werden sollte, h\u00e4tte f\u00fcr das Technische Rathaus die gesamte Bebauung einem architektonisch h\u00f6chst fragw\u00fcrdigem Glaskasten weichen sollen. Gl\u00fccklicherweise ist das Vorhaben am Widerstand der Bev\u00f6lkerung und der fehlenden Unterst\u00fctzung des Einmietmodells durch die Kommunalaufsicht gescheitert.<\/span><span style=\"color: #888888;\"> <\/span><span style=\"color: #888888;\">Da nun das Areal am Markt in den Fokus der Stadtentwicklung ger\u00fcckt ist, will der Oberb\u00fcrgermeister nun unbedingt, dass hier gebaut wird. Da die Stadt selbst nicht in der Lage dazu ist und auf absehbare Zeit auch kein Privatinvestor zu finden sein wird, soll die St\u00e4dtische Wohnungsgesellschaft, eine 100%-ige und hoch verschuldete Tochter der Stadt verpflichtet werden, auf dem n\u00f6rdlichen Teil der Fl\u00e4che Mietwohnungen neu zu errichten. F\u00fcr das Erdgeschoss ist ein Lebensmittelmarkt vorgesehen, was nat\u00fcrlich nur geht, wenn die vorhandene Bebauung also einschlie\u00dflich Einzeldenkmal komplett abgerissen wird. Die Abrissantr\u00e4ge sollen bereits gestellt sein.<\/span><span style=\"color: #888888;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"color: #888888;\"> Da der Einzelhandel die Mieth\u00f6he diktiert und auch die Wohnungsmieten auf Grund des \u00dcberangebots in Altenburg nur moderat ausfallen d\u00fcrfen, wird bei dem Neubau offensichtlich an allem gespart. Die Entw\u00fcrfe werden allerdings mit Verweis darauf, dass es sich um einen \u201ePrivatinvestor\u201c handelt und die Stadt rechtlich keine M\u00f6glichkeit zur Ver\u00f6ffentlichung hat, vor der Bev\u00f6lkerung geheim gehalten. W\u00fcnschenswert und der Bedeutung des Standorts angemessen w\u00e4re die Durchf\u00fchrung eines Architekturwettbewerbs. In diesem Zusammenhang m\u00fcsste nochmals intensiv gepr\u00fcft werden, ob nicht doch eine Kombination aus Sanierung und Neubau m\u00f6glich ist. An anderer Stelle in der Altstadt hat die St\u00e4dtische Wohnungsgesellschaft selbst bereits bewiesen, dass solch eine behutsame Stadtsanierung m\u00f6glich ist. Daf\u00fcr k\u00f6nnen dann guten Gewissens auch St\u00e4dtebauf\u00f6rdermittel eingesetzt werden.<\/span><span style=\"color: #888888;\"> <\/span><span style=\"color: #888888;\">Auch wenn der s\u00fcdliche Teil des Areals am Markt mit dem aktuellen Bauvorhaben der St\u00e4dtischen Wohnungsgesellschaft im Moment nichts zu tun hat, wurden hier schon mal Tatsachen geschaffen und durch die Stadt die ehemals denkmalgesch\u00fctzte Turnhalle des Josephinums, ein imposantes Schulgeb\u00e4ude aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, sowie ein Gr\u00fcnderzeithaus mit sch\u00f6ner Klinkerfassade und charakteristischem Erker im Fr\u00fchjahr dieses Jahres ohne jede Not abgerissen. Zur\u00fcckgeblieben sind wieder nur Brachfl\u00e4chen.<\/span><span style=\"color: #888888;\"> <\/span><span style=\"color: #888888;\">Die Erhaltungssatzung, die die Stadt Anfang der 1990er Jahre erlassen hat, um die historische Bebauung der Altstadt vor weiteren Abrissen zu sch\u00fctzten, wird nun von genau dieser Stadt v\u00f6llig missachtet. Der Stadtrat hat die ihm in dieser Sache eigentlich zustehende Entscheidungskompetenz per Hauptsatzung vollst\u00e4ndig an den Oberb\u00fcrgermeister \u00fcbertragen, so dass dieser uneingeschr\u00e4nkt festlegen kann, welches st\u00e4dtische Geb\u00e4ude als n\u00e4chstes abgerissen wird. Die Erhaltungsziele sind dabei nur st\u00f6rend.<\/span><span style=\"color: #888888;\"> <\/span><span style=\"color: #888888;\">Nun k\u00f6nnte man meinen, da die Erhaltungssatzung sowieso nicht angewandt wird, k\u00f6nnte die Stadt diese Satzung auch ersatzlos aufheben. Dies wird man allerdings aus gutem Grunde nicht tun, denn die Erhaltungssatzung stellt die F\u00f6rdergrundlage f\u00fcr das Bund-L\u00e4nder-Programm St\u00e4dtebaulicher Denkmalschutz dar. Aus diesem F\u00f6rdertopf hat die Stadt schon Gelder in zweistelliger Millionenh\u00f6he erhalten. Wenn diese Einnahmequelle versiegen w\u00fcrde, w\u00e4re die weitere Sanierung von Schloss, Roten Spitzen und anderen wichtigen Einzeldenkmalen nicht mehr finanzierbar. Wenn die Stadt nicht durch \u00f6ffentlichen Druck und\/oder durch den F\u00f6rdermittelgeber zu einem anderen Umgang mit der historischen Bausubstanz gezwungen wird, bleibt es in Altenburg wohl weiterhin bei der schizophrenen Situation, dass man einerseits F\u00f6rdermittel in bedeutender H\u00f6he f\u00fcr die Geb\u00e4udesanierung im Geltungsbereich der Erhaltungssatzung erh\u00e4lt, andererseits die Grundlage der Erhaltungssatzung n\u00e4mlich die denkmalgesch\u00fctzte Altstadt zumindest in Teilbereichen nach und nach vernichtet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #888888;\"> <\/span><span style=\"color: #888888;\">Wir bitten Sie um Unterst\u00fctzung, damit es in Altenburg zu einem Umdenken beim Umgang mit der historischen Bausubstanz kommt und der Abriss weiterer denkmalgesch\u00fctzter Geb\u00e4ude in der Altstadt verhindert wird.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #888888;\"> <\/span><\/p>\n<p><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #888888;\"> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #888888;\"><span style=\"color: #888888;\">September 2009<\/span> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Altenburg, im \u00e4u\u00dfersten Osten Th\u00fcringens gelegen, war bis zum Ende des deutschen Kaiserreichs 1918 Residenz der Herz\u00f6ge von Sachsen-Altenburg. Dieser Epoche verdankt die Stadt eine Vielzahl imposanter Geb\u00e4ude wie<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[36,1],"tags":[3,8,65,46],"class_list":["post-971","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-meinungen","category-alles","tag-areal-am-markt","tag-stadtebaulicher-denkmalschutz","tag-stadtforum","tag-swg"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p1GsgU-fF","jetpack_likes_enabled":false,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/stadtforum-altenburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/971","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/stadtforum-altenburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/stadtforum-altenburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stadtforum-altenburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stadtforum-altenburg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=971"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/stadtforum-altenburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/971\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":973,"href":"https:\/\/stadtforum-altenburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/971\/revisions\/973"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/stadtforum-altenburg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=971"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/stadtforum-altenburg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=971"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/stadtforum-altenburg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=971"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}