{"id":730,"date":"2009-12-31T04:00:06","date_gmt":"2009-12-31T03:00:06","guid":{"rendered":"http:\/\/stadtforum-altenburg.de\/?p=730"},"modified":"2011-01-19T00:45:23","modified_gmt":"2011-01-18T23:45:23","slug":"die-welt-31-dezember-2009","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtforum-altenburg.de\/?p=730","title":{"rendered":"Die Welt, 31. Dezember 2009"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #888888;\">Ein Plattenbau soll Altenburgs Marktplatz entstellen. <\/span><span style=\"color: #888888;\">Von Dankwart Guratzsch\u00a0<!--more--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #888888;\">Krieg und Sozialismus hat der Marktplatz von Altenburg \u00fcberstanden. Jetzt soll er durch Neubauten entstellt werden<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #888888;\">Die Winterzeit ist die Zeit der Weihnachtsm\u00e4rkte, die Zeit der Marktpl\u00e4tze, der Ortsgeschichte, der regionalen Br\u00e4uche und Gerichte. In der th\u00fcringischen Residenzstadt Altenburg ist sie in diesem Jahr \u00fcberschattet vom Gespenst der Stadtzerst\u00f6rung. Denn just den Marktplatz, der Krieg und SED-Herrschaft unbeschadet \u00fcberstanden hat und der als einer der sch\u00f6nsten in Deutschland gelten kann, will die St\u00e4dtische Wohnungsgesellschaft SWG zum Gestehungspreis von 5,2 Millionen Euro umbauen &#8211; f\u00fcr viele Altenburger eine Horrorvorstellung.<\/span><span style=\"color: #888888;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #888888;\">Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, der B\u00fcrgerverein Altstadt, der Denkmalbeirat und Kirchenvertreter wie Pfarrer Andreas Gie\u00dfler von St. Bartholom\u00e4i protestieren. Sie verlangen die Sanierung der bestehenden Geb\u00e4ude aus Barock- und Gr\u00fcnderzeit und sehen in dem Projekt einen Anschlag auf die Identit\u00e4t der Stadt. Und nun sind die st\u00e4dtischen Parteien zerstritten. Die Abrissgenehmigung f\u00fcr ein ganzes Quartier musste zur\u00fcckgezogen, der auf das Vorhaben bezogene Bebauungsplan in die Aussch\u00fcsse zur\u00fcckverwiesen werden &#8211; doch ob die Stadtr\u00e4te tats\u00e4chlich f\u00fcr die Problematik hinreichend &#8222;sensibilisiert&#8220; werden konnten, ist immer noch fraglich. OB Michael Wolf (SPD) hat der Gesellschaft das gesamte Areal an die Hand gegeben. Und die bekennt sich auch ganz offen dazu, an diesem neuralgischen Punkt erst mal Tabula rasa zu machen. &#8222;Unser Anspruch bestand zu keiner Zeit darin, eine architektenpreisverd\u00e4chtige Neubebauung vorzunehmen&#8220;, hei\u00dft es im Internetauftritt der Gesellschaft. Der von den Kritikern schon mal &#8222;Plattenbau&#8220; geschimpfte Neubaukomplex wartet denn auch mit billig wirkenden, glatten, bunt get\u00fcnchten rasterf\u00f6rmigen Fassaden auf, deren Schlichtheit das Unternehmen mit den &#8222;wirtschaftlichen Zw\u00e4ngen am konkreten Standort&#8220; und &#8222;umfangreichen Sanierungsaufgaben in unserem Wohnungsbestand&#8220; begr\u00fcndet. Aber wie konnte es dazu kommen, dass die Stadt ihre &#8222;gute Stube&#8220; einem solchen Sachwalter \u00fcberl\u00e4sst?<\/span><span style=\"color: #888888;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #888888;\">Es ist eines jener Vorhaben, mit denen die Erben des sozialistischen St\u00e4dtebaus, die ostdeutschen Wohnungsgesellschaften, Modelle des Stadtumbaus aus der Sp\u00e4tzeit der DDR aufgreifen. Damals wurden von Gotha bis Zwickau, von Halle bis Greifswald halbe Innenst\u00e4dte niedergelegt, um mit der &#8222;bourgeoisen&#8220; und &#8222;feudalen&#8220; Vergangenheit der St\u00e4dte aufzur\u00e4umen und f\u00fcr eine &#8222;neue Gesellschaft&#8220; reinen Tisch zu machen. Nicht \u00fcberall sind die Lehren aus dieser Kahlschlagpolitik bis heute verinnerlicht worden. Und so konnte es geschehen, dass St\u00e4dte wie das brandenburgische Wittenberge, das anhaltinische Wei\u00dfenfels und das s\u00e4chsische Chemnitz auch noch nach der Wiedervereinigung ihre Wohnungsgesellschaften darin unterst\u00fctzten (und das zum Teil noch immer tun), F\u00f6rdermittel aus dem Stadtumbauprogramm in den Abbruch historischer Bausubstanz zu stecken &#8211; eine Strategie, die der Bund auch noch mit der Streichung von Altschulden honoriert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #888888;\">Gegenbeispiele aus Erfurt, Jena, Bad Langensalza oder Weimar beweisen, wie sich aber gerade mit der Sanierung abg\u00e4ngiger Altbauten das st\u00e4dtische &#8222;Image&#8220; st\u00e4rken und das Stadtbild aufwerten l\u00e4sst. Ein Erfolgsmodell wie das Erfurter Andreasviertel, in dem beim Zusammenbruch der DDR schon die Abraumbagger w\u00fcteten und das heute zu den Vorzeigeobjekten ostdeutschen Stadtumbaus geh\u00f6rt, belegt, was f\u00fcr ein gesch\u00e4ftlicher Gewinn sich mit einer solchen Strategie verbindet. Trotz des bescheidenen Zuschnitts der H\u00e4user geh\u00f6rt es heute zu den begehrtesten Wohnlagen der th\u00fcringischen Landeshauptstadt.<\/span><span style=\"color: #888888;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #888888;\">Auch f\u00fcr Altenburg muss noch lange nicht alles gelaufen sein, wenn die Stadtv\u00e4ter noch in letzter Minute die Kurve bekommen. Schlie\u00dflich kann man s\u00e4mtliche Nutzungen, die f\u00fcr das Neubauquartier vorgesehen sind, auch in den Altbauten unterbringen &#8211; es d\u00fcrfte nur ein bisschen mehr Gehirnschmalz kosten. Und der materielle Aufpreis, der wohl daf\u00fcr einkalkuliert werden muss, m\u00fcsste sich rechnen. Investieren doch landesweit unz\u00e4hlige St\u00e4dte Millionensummen, um verschwundene Altstadth\u00e4user in alter Pracht wiederauferstehen zu lassen. Auch wenn das sch\u00f6ne Altenburg ein bisschen abseits der gro\u00dfen Verkehrswege liegt &#8211; auf einem anderen Stern liegt es jedenfalls nicht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #888888;\">http:\/\/tinyurl.com\/67e6s7s <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Plattenbau soll Altenburgs Marktplatz entstellen. 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