{"id":2057,"date":"2011-09-16T15:53:25","date_gmt":"2011-09-16T14:53:25","guid":{"rendered":"http:\/\/stadtforum-altenburg.de\/?p=2057"},"modified":"2011-09-20T18:05:27","modified_gmt":"2011-09-20T17:05:27","slug":"redebeitrag-des-stadtforums-zur-kundgebung-adieu-altes-haus-am-tag-des-offenen-denkmals-11-september-2011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtforum-altenburg.de\/?p=2057","title":{"rendered":"Redebeitrag des Stadtforums auf der Kundgebung &#8222;Adieu, altes Haus!&#8220; am Tag des offenen Denkmals, 11. September 2011"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Denkmalfreunde, liebe Altenburger,<\/p>\n<p>nun ist es Gewissheit: Die H\u00e4user am Areal am Markt werden abgerissen! Ein Bauzaun steht bereits, vielleicht als eine Art Bannmeile, damit man den bedrohten H\u00e4usern ja nicht zu nahe kommt. Ganz besonders bitter ist der Verlust der beiden H\u00e4user \u201eBei der Br\u00fcderkirche 9\u201c und \u201eKlostergasse 5\u201c.<\/p>\n<p>Das Stadtforum Altenburg hat in den letzten zwei Jahren mit allen m\u00f6glichen Anstrengungen f\u00fcr den Erhalt dieser beiden Geb\u00e4ude gek\u00e4mpft.<\/p>\n<ul>\n<li>Warum werden diese H\u00e4user abgerissen? Bescheinigt nicht inzwischen die St\u00e4dtische Wohnungsgesellschaft mbH (SWG) selbst, dass diese H\u00e4user sanierungsf\u00e4hig sind?<\/li>\n<li>Warum werden diese H\u00e4user abgerissen, wenn doch nachgewiesen ist, dass eine Sanierung zweifelsfrei kosteng\u00fcnstiger als Abriss und Neubau ist? Im \u00dcbrigen hat diesen Nachweis ein von der SWG selbst beauftragtes Gutachten erbracht.<\/li>\n<li>Warum werden diese H\u00e4user abgerissen, wenn es zumindest f\u00fcr das barocke Einzeldenkmal ein ernst zu nehmendes Kauf- und Sanierungsangebot gab?<\/li>\n<li>Warum werden diese H\u00e4user abgerissen, wenn Denkmal\u00e4mter, Ministerien, F\u00f6rderstellen des Bundes und des Landes sowie Expertengruppen in Th\u00fcringen und ganz Deutschland ihr Veto einlegen und F\u00f6rdermittel in Aussicht stellen? Wie sollen in Zukunft Denkmalauflagen vermittelt werden, wenn die Stadt ohne Zwang Denkmale abrei\u00dft?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Fragen k\u00f6nnen nur der Oberb\u00fcrgermeister und die SWG beantworten!<!--more--><\/p>\n<p>Wir alle wissen, dass das Bauvorhaben der SWG auch mit der Sanierung dieser beiden H\u00e4user h\u00e4tte realisiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Stadtforum Altenburg hat diese Wege aufgezeigt und \u00f6ffentlich zur Diskussion gestellt. Was wir nicht geschafft haben, ist zu \u00fcberzeugen &#8211; die Mehrheit des Stadtrates und die Altenburger B\u00fcrger.<\/p>\n<p>Das Stadtforum war nie gegen die Bebauung &#8211; gleichwohl wurde man nicht m\u00fcde, dies zu behaupten. Stattdessen stand und steht das Stadtforum:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>f\u00fcr<\/strong> den Erhalt der kulturhistorisch wertvollen Altstadt f\u00fcr den Erhalt m\u00f6glichst aller Altenburger Baudenkmale<\/li>\n<li><strong>f\u00fcr<\/strong> eine weitsichtige Stadtplanung und behutsame Stadtentwicklung<\/li>\n<li><strong>f\u00fcr<\/strong> eine aktive Einbeziehung von B\u00fcrgerschaft und Stadtrat und<\/li>\n<li><strong>f\u00fcr<\/strong> eine starke Identifizierung der B\u00fcrger mit ihrer \u00fcber 1000-j\u00e4hrigen Stadt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Thema des diesj\u00e4hrigen Tages des offenen Denkmals lautet: \u201eRomantik, Realismus, Revolution\u201c. Gemeint ist eine Epoche des Umbruchs und der Erneuerung, gemeint ist das 19. Jahrhundert.<\/p>\n<p>Doch wenn wir das Motto auf unsere Situation hier in Altenburg beziehen, fragen wir uns, waren es romantische Wunschtr\u00e4umereien, sich f\u00fcr zwei wertvolle, stadtbildpr\u00e4gende Denkmale unserer Stadt einzusetzen? Ist es einfach nur realistisch, wenn wir h\u00f6ren, nicht jedes Denkmal, was sanierbar sei, kann auch erhalten werden? Und braucht es manchmal vielleicht doch eine kleine Revolution, um die Menschen in dieser Stadt wach zu r\u00fctteln, und um uns den Irrsinn, der gerade vor unseren Augen verzapft wird, klarzumachen?<\/p>\n<p>Und ist jetzt unsere Revolution gescheitert? Haben wir verloren, wenn jetzt abgerissen wird?<\/p>\n<p>Als kleinen Trost haben wir an unserem Stand eine Tafel, auf der wir den ersten Entwurf f\u00fcr die Neubebauung des Areals vom Oktober 2009 dem jetzigen Ausf\u00fchrungsentwurf gegen\u00fcber stellen:<\/p>\n<ul>\n<li>Wir haben erreicht, dass der Neubau sich nicht 15 m nach S\u00fcden erstreckt und den historischen mittelalterlichen Stadtgrundriss ver\u00e4ndert.<\/li>\n<li>Wir haben erreicht, dass die Bauh\u00f6hen auf ein ann\u00e4hernd ertr\u00e4gliches Ma\u00df reduziert wurden und eine kleinteilige Fassadenstruktur wenigstens angedeutet wurde.<\/li>\n<li>Wir haben leider auch erreicht, dass uns jetzt historisierende, kleingeistige Fassaden als Architektur des 21. Jahrhunderts verkauft werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wir sind der Ansicht, dass wir nicht verloren haben. Wir sind der Meinung, dass diese zwei Jahre ganz wichtig waren f\u00fcr Altenburg, f\u00fcr einen Demokratisierungsprozess, ganz wichtig f\u00fcr die Auseinandersetzung mit unserer Stadt und auch ganz wichtig f\u00fcr die Frage: Was haben wir daraus gelernt, wo wollen wir in Zukunft hin?<\/p>\n<p>Und das Stadtforum Altenburg will eine Fortsetzung der vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern des Stadtrates sowie allen engagierten B\u00fcrgern, um mit diesen geb\u00fcndelten Kr\u00e4ften die jeweils beste L\u00f6sung f\u00fcr die Stadt zu erreichen.<\/p>\n<p>Doch es ist schwer f\u00fcr das Stadtforum. Ist doch die Haltung des Oberb\u00fcrgermeisters gegen\u00fcber den Mitgliedern des Stadtforums im Wesentlichen von Ablehnung und Ausgrenzung, Diffamierung und Misstrauen gekennzeichnet. An dieser Stelle muss sich ganz grunds\u00e4tzlich etwas \u00e4ndern. Das wollen wir erreichen, und deshalb wird es an dieser Stelle auch deutlich angesprochen.<\/p>\n<p>Und wenn man uns l\u00e4sst, wollen wir auch in Zukunft versuchen, Altenburg mitzugestalten.<\/p>\n<p>Themen wird es auch k\u00fcnftig genug geben: Inzwischen ist in der letzten Stadtratssitzung das Quartierskonzept f\u00fcr das Quartier 15, die gro\u00dfe Brache gleich hier nebenan, beschlossen worden. Ein Konzept, das wir zu Beginn der Debatte um das Areal am Markt vor zwei Jahren ausdr\u00fccklich eingefordert haben und im Folgenden die Stadtr\u00e4te auch in Auftrag gaben. Nun soll das schon seit langem geplante Quartierparkhaus realisiert werden, das nach Vorschl\u00e4gen des Stadtforums auch den Parkplatzbedarf f\u00fcr das Areal am Markt nicht nur h\u00e4tte aufnehmen k\u00f6nnen, sondern f\u00fcr das ein Abriss des Barockhauses wegen 6 Parkpl\u00e4tzen nicht notwendig w\u00e4re. Erfreulich ist, dass dank der Arbeit des Stadtforums durch schriftliche Stellungnahmen und Arbeitstreffen zwischen Stadtplaner und Stadtverwaltung die unsererseits favorisierte L\u00f6sung mit einer Blockrandbebauung zum oberen Abschluss des Topfmarktes bevorzugt wird.<\/p>\n<p>Das Stadtforum Altenburg will mitarbeiten und bei der geplanten Fortschreibung der Sanierungsziele f\u00fcr das Sanierungsgebiet in der Altenburger Altstadt einbezogen werden.<\/p>\n<p>Weitere Themen, die auf der Tagesordnung stehen, sind das Quartierskonzept f\u00fcr die Roten Spitzen, die Diskussion und Vorstellung des neuen Einzelhandelskonzeptes sowie die Umsetzung des schon vor knapp zwei Jahren ver\u00f6ffentlichten Stadtmarketingkonzepts. Auch sind Konzepte f\u00fcr wichtige Einzelobjekte erforderlich sowie eine Priorit\u00e4tenliste, um den Handlungsbedarf bei einzelnen Denkmalen aufzuzeigen.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen dar\u00fcber hinaus versuchen, private Hauseigent\u00fcmer vom Wert ihrer Denkmale zu \u00fcberzeugen und Wege aufzeigen, wenigstens Sicherungsma\u00dfnahmen durchzuf\u00fchren. Wir sehen ganz aktuell diese Vers\u00e4umnisse am Beispiel der Pauritzer Stra\u00dfe 1 und des Hauses Theaterplatz 6, wo nur noch die Stra\u00dfenfassaden gerettet werden k\u00f6nnen. Oder besonders erschreckend das Willgerothsche Haus, wo ein Komplettabriss eine st\u00e4dtebaulich katastrophale Situation schafft.<\/p>\n<p>Bedenklich wird es, und hier m\u00fcssen wir als Stadtforum ansetzen, wenn im Haushalt der Stadt Abrissmittel als Aufwertungsma\u00dfnahmen deklariert werden und die Osterl\u00e4nder Volkszeitung schreibt: \u201eDamit gewinnt das Areal um den Goldenen Pflug weiter an Attraktivit\u00e4t.\u201c (OVZ, 30.08.2011, S. 13)<\/p>\n<p>Das Stadtforum Altenburg hat demnach viel vor, und wir wollen uns nicht entmutigen lassen. Doch ber\u00fchrt uns momentan das Gef\u00fchl von v\u00f6lligem Unverst\u00e4ndnis dar\u00fcber, was hier vor unseren Augen passiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Denkmalfreunde, liebe Altenburger, nun ist es Gewissheit: Die H\u00e4user am Areal am Markt werden abgerissen! Ein Bauzaun steht bereits, vielleicht als eine Art Bannmeile, damit man den bedrohten H\u00e4usern ja nicht zu nahe kommt. 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