{"id":1960,"date":"2011-08-23T13:16:41","date_gmt":"2011-08-23T12:16:41","guid":{"rendered":"http:\/\/stadtforum-altenburg.de\/?p=1960"},"modified":"2011-08-23T13:21:19","modified_gmt":"2011-08-23T12:21:19","slug":"einkaufszentren-und-denkmalschutz-denkmaldebatten-informationsplattform-der-deutschen-stiftung-denkmalschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtforum-altenburg.de\/?p=1960","title":{"rendered":"Einkaufszentren und Denkmalschutz &#8211; DenkmalDebatten 2011"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/denkmaldebatten.denkmalschutz.de\/kontroversen\/einkaufszentren\/\">Handel im historischen Stadtkern &#8211; Einkaufszentren und Denkmalschutz<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Von Katja Hoffmann \/ <a href=\"http:\/\/denkmaldebatten.denkmalschutz.de\/service\/ueber-denkmaldebatten\" target=\"_blank\">DenkmalDebatten &#8211; Informationsplattform der Deutschen Stiftung Denkmalschutz<\/a><\/p>\n<p>Trotz stagnierender Bev\u00f6lkerungszahlen haben sich die Einzelhandelsfl\u00e4chen in Deutschland seit 1980 fast verdoppelt \u2013 von 63 auf heute etwa 120 Millionen Quadratmeter. Von der gr\u00fcnen Wiese dringen Einkaufszentren seit einigen Jahren bis in die Altst\u00e4dte vor. Dort st\u00f6ren sie schutzw\u00fcrdige Ensembles, ignorieren bestehende Stra\u00dfenf\u00fchrungen, Parzellengr\u00f6\u00dfen, Geschossh\u00f6hen sowie Sichtbeziehungen zwischen stadtbildpr\u00e4genden Bauwerken und sorgen f\u00fcr Denkmalverluste. Unter Beanspruchung immenser Fl\u00e4chen und geringer Bezugnahme auf die umgebende Architektur werden Einkaufszentren in historisch gepr\u00e4gten Ortsstrukturen nach einem Schema errichtet, das sich l\u00e4ngst als nicht integrierbar erwiesen hat, sich in der \u00dcberf\u00fchrung von der Peripherie in die Mitte aber scheinbar noch immer rechnet.<!--more--><\/p>\n<p>Die St\u00e4dte sind mit dem Aufbl\u00fchen des b\u00fcrgerlichen Handels gewachsen. An ihrer baulichen Schichtung seit der fr\u00fchen Neuzeit ist bis heute ablesbar, dass wirtschaftliches, b\u00fcrgerschaftliches und kulturelles Leben lange Zeit eng miteinander verflochten waren. Mit der fortschreitenden Entmischung in Wohn-, Arbeits-, Erholungs- und Versorgungsbereiche im 20. Jahrhundert wurde die City zum B\u00fcro- und Gesch\u00e4ftsstandort, bis der Handel im Zuge von Motorisierung und Suburbanisierung noch weiter nach au\u00dfen r\u00fcckte. An Verkehrsknotenpunkten bildete er gro\u00dfe Shopping-Center aus, die den st\u00e4dtischen Zentren zusetzten. Im Osten Deutschlands ist der in den Nachwendejahren gediehene Standort gr\u00fcne Wiese weiterhin stark, doch der Gesamttrend kehrt sich seit einigen Jahren um.<\/p>\n<p>Dass der Handel zur\u00fcck in die St\u00e4dte kommt und damit auch die Chance einer Revitalisierung der historischen Stadtkerne mit sich bringt, ist zu begr\u00fc\u00dfen. Die kompakten, gemischt genutzten Kernzonen der St\u00e4dte erleben ein Comeback, werden wieder als kulturelle Zentren gesch\u00e4tzt. Vielen Menschen gilt ein Quartier, in dem das eigene Leben mit kurzen Wegen organisiert werden kann, als Vorzug. Und wird in das Zentrum der St\u00e4dte investiert, kann das Wohnen dort attraktiver und die Nahversorgung verbessert werden.<\/p>\n<p>Eine Wiederbelebung der Innenst\u00e4dte ist nur in den seltensten F\u00e4llen zu erreichen, ohne die historisch gewachsene Bebauung zu tangieren.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 90px;\"><em>&#8222;Die Deindustrialisierung mit dem Freiwerden gro\u00dfer Industrieanlagen, die Privatisierung und Neuorganisation der gro\u00dfen technischen Infrastrukturen wie Bahnanlagen und H\u00e4fen, der Abbau und die Neuorganisation von kommunalen und sonstigen \u00f6ffentlichen Einrichtungen und insbesondere die Konzentration des Einzelhandels in gro\u00dfen Zentren ver\u00e4ndern unsere St\u00e4dte und die Geb\u00e4udenutzung grundlegend.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 90px;\"><em>Handelsverband BAG und Deutsche Stiftung Denkmalschutz: Gemeinsame Resolution zum Denkmalschutz und Einzelhandel in deutschen St\u00e4dten, Pr\u00e4ambel. Berlin und Bonn, Juni 2008 <\/em><\/p>\n<p>Dass in Zeiten klammer kommunaler Kassen vor allem Erfordernisse der Wirtschaftlichkeit den Umbau der Innenst\u00e4dte und gr\u00fcnderzeitlichen Stadtquartiere leiten, l\u00e4sst Denkmalpfleger sorgenvoll auf die R\u00fcckkehr des Handels in die historischen Zentren blicken. Vor allem Entwickler von Einkaufszentren<\/p>\n<p style=\"padding-left: 90px;\"><em>&#8222;begn\u00fcgen sich nicht mehr damit, die Silhouette der Altstadt ihrem Logo zu inkorporieren, sondern machen die Altstadt selbst zu ihrer Firmenwerbung. [&#8230;] Die privaten Zonen des Kommerzes wuchern mehr und mehr in den touristisch aufbereiteten \u00f6ffentlichen Raum [&#8230;].&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 90px;\"><em>Ingrid Scheurmann: Stadtbild in der Denkmalpflege: Begriff &#8211; Kontext &#8211; Programm. In: Brandt, Sigrid \/ Meier, Hans-Rudolf (Hrsg.): Konstruktion und Rezeption von Bildern der Stadt. Stadtbild und Denkmalpflege, Band 11. Berlin 2008, S. 146<\/em><\/p>\n<p>Wie weit die St\u00e4dte dabei die Regie aus der Hand geben, lie\u00df sich vor Kurzem in Leverkusen verfolgen, wo das Rathaus aus den 1970er Jahren und das benachbarte Stadthaus von 1953 f\u00fcr die &#8222;Rathaus-Galerie&#8220; abgerissen wurden. Zu ihrer Er\u00f6ffnung 2010 bezeichneten sie Zentrumsbetreiber wie B\u00fcrgermeister als &#8222;neue Stadtmitte&#8220; \u2013 und das zu Recht, denn f\u00fcr die Stadtverwaltung mietet Leverkusen nun Fl\u00e4chen in den Obergeschossen des Centers an. Der zentrale Ort des st\u00e4dtischen Gemeinwesens ist nicht mehr in \u00f6ffentlicher Hand.<\/p>\n<p>Oft widersprechen innerst\u00e4dtische Einkaufszentren nicht nur den Forderungen von Denkmalsch\u00fctzern, Raum- und Stadtplanern, sondern auch den Anspr\u00fcchen der Gesellschaft an eine durch urbane Vielfalt gepr\u00e4gte und von Zeugnissen historischer wie j\u00fcngerer Stadtwerdung bereicherte Lebensumwelt. Nahezu alle Projekte der vergangenen Jahre riefen massiven \u2013 wenn auch meist wirkungslosen \u2013 Widerstand in der Bev\u00f6lkerung hervor: Unter Protesten wurden in G\u00f6rlitz 2001 ein gr\u00fcnderzeitlicher Stra\u00dfenzug sowie das einstige Wilhelm-Theater f\u00fcr das City-Center Frauentor abgebrochen, das in direkter Nachbarschaft des (inzwischen leerstehenden) G\u00f6rlitzer <a href=\"http:\/\/denkmaldebatten.denkmalschutz.de\/kontroversen\/einkaufszentren\/goerlitz-ho-kaufhaus\/\">Jugendstil-Warenhauses<\/a> entstand. In Duisburg wich 2005 die Mercatorhalle aus dem Jahr 1962 dem City Palais, einem Komplex mit Handelsfl\u00e4chen, Spielcasino sowie einem Veranstaltungszentrum inklusive &#8222;neuer Mercatorhalle&#8220;. 2010 wurde das ehemalige Kaufhaus am Br\u00fchl in Leipzig abgerissen \u2013 mitsamt der Aluminiumfassade, die es als <a href=\"http:\/\/denkmaldebatten.denkmalschutz.de\/kontroversen\/einkaufszentren\/leipzig-konsument\/\">Konsument-Warenhaus<\/a> erhielt. Der darunter verborgene Jugendstil-Bau machte Platz f\u00fcr das Einkaufszentrum &#8222;H\u00f6fe am Br\u00fchl&#8220;. Aktuell streitet man in Altenburg in Th\u00fcringen um eine <a href=\"http:\/\/stadtforum-altenburg.de\/?page_id=46\">Neubebauung des Areals am Markt<\/a>, f\u00fcr die zwei denkmalgesch\u00fctzte Wohnbauten fallen sollen.<\/p>\n<p>Meist gehen Verluste einzelner denkmalgesch\u00fctzter Bauten mit Beeintr\u00e4chtigungen st\u00e4dtischer Ensembles und kleinteiliger historischer Stadtstrukturen einher.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\"><em>&#8222;Da werden St\u00e4dte in der Stadt errichtet, sie werden hineingedonnert mit Abrissbirne und Presslufthammer, auch wenn es im alten Geflecht der Stra\u00dfen und Giebelh\u00e4user in Celle, Hameln oder sonst wo viel zu eng ist f\u00fcr eine dieser \u00fcblichen Gro\u00dfpassagen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\"><em>Hanno Rauterberg: Bunte Langeweile. In: Die Zeit Nr. 44 vom 26. 10. 2006 (Dossier), S. 19<\/em><\/p>\n<p>Die Kommunen begreifen Einkaufszentren als Chance und setzen auf ihre Kaufkraftbindung in der Konkurrenz zu Gemeinden im Umland. Um die wirtschaftliche Basis der Stadt zu st\u00e4rken, nehmen sie Eingriffe in das historische Stadtbild in Kauf. Besonders in strukturschwachen Regionen sind innerst\u00e4dtische Center das Mittel der Wahl gegen eine drohende Ver\u00f6dung der Zentren und f\u00fcr die Prosperit\u00e4t des eigenen Standorts.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\"><em>&#8222;F\u00fcr viele B\u00fcrgermeister erscheinen die Innenstadt-Center inzwischen sogar als letzte Chance, um die \u00f6konomische Basis der Stadtkerne zu retten.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\"><em>Ulrich Hatzfeld: Shopping(-Center) ohne Ende? Oder: Kritik der reinen Vernunft. In: Shopping_Center_Stadt. Urbane Strategien f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung. StadtBauKultur NRW, Gelsenkirchen 2003, S. 84\/87<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Kommunen aber eine gesamtst\u00e4dtische Belebung anstreben, werden Shopping-Center als selbstgen\u00fcgsame Komplexe entwickelt. In der klassischen Form funktioniert ein Einkaufszentrum gut, wenn der Kunde dort alles finden kann, was er braucht \u2013 Waren, Verweil- und Parkpl\u00e4tze. Die meisten Center sind deshalb nach wie vor nach innen ausgerichtet und suchen keinen Anschluss an umgebende Gesch\u00e4ftslagen, an die sie Passanten verlieren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Die Auswirkungen, die solche geschlossen konzipierten Einkaufszentren auf ein Denkmalgef\u00fcge haben, lassen sich in Hameln und an der dort 2008 er\u00f6ffneten <a href=\"http:\/\/denkmaldebatten.denkmalschutz.de\/kontroversen\/einkaufszentren\/busbahnhof\/\">Stadtgalerie<\/a> exemplarisch nachvollziehen. Die von Kaufmanns- und Handwerkerh\u00e4usern der Renaissance, des Barock und Klassizismus gepr\u00e4gte Altstadt an der Weser gilt seit 1975 als Musterbeispiel f\u00fcr die erhaltende Erneuerung eines historischen Stadtbildes, dessen Fachwerkbestand mit St\u00e4dtebauf\u00f6rderungs- und Denkmalschutzmitteln in weiten Teilen gesichert wurde. Um sie wirtschaftlich zu st\u00e4rken, setzte ihr Rat in den fr\u00fchen 2000er Jahren auf die Ansiedlung eines Centers.<\/p>\n<p>Hamelns Oberb\u00fcrgermeister erkl\u00e4rte, die Stadt greife damit<\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\"><em>&#8222;steuernd ein, um den Kaufkraftabfluss auf die gr\u00fcne Wiese und in benachbarte Oberzentren zu stoppen. Wir verstehen die Ansiedlung der &#8218;Stadtgalerie Hameln&#8216; als deutliches Signal, die Innenstadt zu st\u00e4rken. Allein das ist unsere Motivation. [&#8230;] Im \u00dcbrigen bin ich der Meinung, dass sich auch eine mittelalterlich gepr\u00e4gte Innenstadt den heutigen Anforderungen stellen muss.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\"><em>Klaus Arnecke in einem Interview mit der Deister- und Weserzeitung am 03. 12. 2004 im Wortlaut der Pressemeldung der Stadt Hameln vom 03. 12. 2004<\/em><\/p>\n<p>Einen gro\u00dfen Teil der f\u00fcr die Stadtgalerie ben\u00f6tigten Fl\u00e4che von 12.700 qm gewann man mit dem Abbruch eines SB-Marktes aus den 1970er Jahren. Allerdings fielen auch zwei unter Denkmalschutz stehende Geb\u00e4ude: ein Fachwerkbau und das ehemalige Kreishaus am Pferdemarkt, dessen Fassade als Portal f\u00fcr das Center am zentralen Altstadt-Platz weiterverwendet wurde.<\/p>\n<p>Neben dem Verlust der Einzeldenkmale ist es vor allem die Dimension des neuen Baukomplexes, der den Zielen einer behutsamen Revitalisierung der Innenst\u00e4dte widerspricht. Die Grundforderung der Denkmalpflege, bei Hinzuf\u00fcgungen zum Bestand die vorhandenen st\u00e4dtebaulich-architektonischen Proportionen zu wahren, haben auch in Hameln Niederschlag in einer Gestaltungssatzung gefunden. Nichtsdestotrotz belegt die Stadtgalerie zwei historische Blocks, \u00fcberschreibt damit urspr\u00fcngliche Stra\u00dfenverl\u00e4ufe und macht einen gro\u00dfen innerst\u00e4dtischen Bereich zwischen Weserufer und Altstadt-Platz unpassierbar. Die Fassaden fungieren, bis auf diejenige am Pferdemarkt, haupts\u00e4chlich als Werbetr\u00e4ger, die Stra\u00dfenfronten sind fl\u00e4chig geschlossen und nehmen dem \u00f6ffentlichen Raum Attraktivit\u00e4t.<\/p>\n<p>In einem Brief an die Stadt Hameln mahnte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, das geplante Einkaufszentrum w\u00fcrde<\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\"><em>&#8222;die Struktur der hochkar\u00e4tigen historischen Altstadt Hamelns empfindlich st\u00f6ren und wirtschaftlich der Erhaltung der historischen Bebauung sehr schaden. [&#8230;] Denn auch mit einer Fassadenkosmetik in Putz und Sandstein l\u00e4sst sich eine derartige Baumasse nicht in die sensible Struktur der historischen Bebauung integrieren. Der geplante Bau bem\u00fcht sich in keiner Weise um einen Dialog mit der bestehenden Bebauung, sondern tritt mit einer R\u00fccksichtslosigkeit auf, die man aus den sechziger und fr\u00fchen siebziger Jahren kennt und f\u00fcr \u00fcberwunden gehalten hatte.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\"><em>Offener Brief an den Rat der Stadt Hameln vom 03. 12. 2004, unterzeichnet von Gottfried Kiesow und 63 weiteren Denkmalpflegern, Architekten und Hochschullehrern<\/em><\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich ist das Interesse des Denkmalschutzes mit anderen \u00f6ffentlichen Interessen abzuw\u00e4gen \u2013 in diesem Fall mit dem Leitbild, die Funktionsf\u00e4higkeit der Innenstadt zu st\u00fctzen. Als vorrangig nennt das Stadtentwicklungskonzept von Hameln:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\"><em>&#8222;Die wichtigsten Entwicklungsfelder der Stadt Hameln sind die Bev\u00f6lkerungs- und die Wirtschaftsentwicklung. Ziel ist es, Hameln als attraktiven Wohn- und Wirtschaftsstandort zu profilieren und die Bev\u00f6lkerungszahl zu konsolidieren und zu steigern.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\"><em>Stadt Hameln, der Oberb\u00fcrgermeister: Stadtentwicklungskonzept Hameln Oktober 2000. Hamelner Schriften zur Stadtentwicklung Heft 6, S. 1<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr die Einzelhandelsentwicklung definiert das Konzept daraus folgernd:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\"><em>&#8222;Das Fl\u00e4chenangebot f\u00fcr den Einzelhandel muss in der Kernstadt erweitert werden, insbesondere sind gro\u00dffl\u00e4chigen Einzelhandelsbetrieben mit \u00fcberregionalem Einzugsbereich im Kernbereich Ansiedlungsspielr\u00e4ume in stadtvertr\u00e4glichem Umfang zu er\u00f6ffnen. [&#8230;] Vorrangiges Ziel ist hierbei aus Sicht der Stadt Hameln, einer unkoordinierten Einzelhandelsentwicklung &#8218;vor den Toren&#8216; der Stadt entgegenzuwirken.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\"><em>Stadt Hameln, der Oberb\u00fcrgermeister: Stadtentwicklungskonzept Hameln Oktober 2000. Hamelner Schriften zur Stadtentwicklung Heft 6, S. 6<\/em><\/p>\n<p>Um dieses Ziel zu erreichen, setzte die Stadt auf ein geschlossenes Center-Konzept des Entwicklers ECE. Trotz aller Einw\u00e4nde der Denkmalpflege und der B\u00fcrgerschaft beschloss der Hamelner Stadtrat den Bebauungsplan f\u00fcr die Stadtgalerie unver\u00e4ndert.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\"><em>&#8222;Schwerwiegende Bedenken aus Sicht des Denkmalschutzes, die im Vorfeld [&#8230;] vorgetragen wurden, sind damit in der Abw\u00e4gung als letztlich vernachl\u00e4ssigbare Randbemerkungen abgewertet worden.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\"><em>Stellungnahme von Christiane Segers-Glocke, Pr\u00e4sidentin des westf\u00e4lischen Amtes f\u00fcr Denkmalpflege, zum B-Plan 727 &#8218;Stadtgalerie Hameln&#8216; in einem Brief an die Stadt Hameln vom 21. 01. 2005<\/em><\/p>\n<p>Abbr\u00fcche von Denkmalen sind irreversibel, ebenso die Aufl\u00f6sung kleinr\u00e4umlicher Stadtstrukturen und der gewachsenen Mischung von Wohn- und gesch\u00e4ftlicher Nutzung. Die Frage schlie\u00dflich, wie Komplexe von mehreren zehntausend Quadratmetern umzunutzen oder r\u00fcckzubauen sind, stellt sich schon heute akut in solchen Kommunen, die im Verdr\u00e4ngungswettbewerb der Einkaufszentren untereinander verlieren und trotz aller Anstrengungen Abwanderung und Kaufkraftverluste hinnehmen m\u00fcssen. In jedem Fall zieht die Missachtung von Ensembleschutz-Vorgaben den umgebenden historischen Baubestand nachhaltig in Mitleidenschaft, und das nicht nur in \u00e4sthetischer Hinsicht:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\"><em>&#8222;Mit der Entwicklung neuer Verkaufsfl\u00e4chen ist naturgem\u00e4\u00df auch das Absterben bereits vorhandener Einkaufsbereiche verbunden. In St\u00e4dten mit einem gro\u00dfen Bestand an historischen Bauten kann es dazu f\u00fchren, dass Baudenkm\u00e4ler von ihren privaten Besitzern nicht mehr unterhalten werden k\u00f6nnen, weil ihre wichtigsten Mieter \u2013 n\u00e4mlich die Einzelh\u00e4ndler \u2013 abhanden kommen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\"><em>Holger Pump-Uhlmann: Angriff auf die City? \u2013 Was bringt die Shopping-Center-Invasion den Innenst\u00e4dten? In: Denkmalpflegerischer Umgang mit gro\u00dffl\u00e4chigem Einzelhandel. Dokumentation der Tagung vom 14. bis 16. 11. 2007 in G\u00f6ttingen (Berichte zu Forschung und Praxis der Denkmalpflege in Deutschland, Band 14). Petersberg 2008, S. 23\/25<\/em><\/p>\n<p>Die benannten Verluste und St\u00f6rungen w\u00e4ren umso schmerzhafter, wenn sich herausstellen sollte, dass das mit ihnen erkaufte Ziel nicht erreichbar ist. Mehrere aktuelle Untersuchungen weisen darauf hin, dass Innenstadt-Center sehr wohl gute Ums\u00e4tze erzeugen, sie in benachbarten Lagen aber sinken lassen und dort h\u00e4ufig einen drastischen Verfall der Mieten mit sich bringen.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\"><em>&#8222;Die oftmals aufgestellte Behauptung, dass durch die Ansiedlung eines Shopping Centers in Innenstadtlage die Kaufkraftzufl\u00fcsse aus dem Umland erh\u00f6ht und die Zentralit\u00e4t einer Stadt gesteigert werden k\u00f6nnte, war im Rahmen des Forschungsprojekts empirisch nicht zu belegen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\"><em>Thomas Kr\u00fcger, Monika Walther: Auswirkungen Innerst\u00e4dtischer Shopping Center auf die gewachsenen Strukturen der Zentren. Aus den Projektergebnissen des DFG-Forschungsprojekts der HafenCity Universit\u00e4t Hamburg, 2006\u20132010, DFG-Datenbank Gepris. Vgl. auch Monika Walther: Im Zentrum der Stadt. Wirkungen und Nebenwirkungen innerst\u00e4dtischer Shoppingcenter. In: archithese 5.2008, S. 55-59<\/em><\/p>\n<p>Die Suche nach L\u00f6sungen, wie der Handel vertr\u00e4glich in die historischen Stadtkerne zur\u00fcckzubringen ist, tut Not. Einige St\u00e4dte haben bereits vielversprechende Ans\u00e4tze erprobt. In M\u00fcnster etwa sind mit dem Hanse-Carr\u00e9e und der Stubengasse kleinteilige, drei- bis viergeschossige, nach au\u00dfen gerichtete Geb\u00e4udestrukturen in den Grenzen der gewachsenen innerst\u00e4dtischen Blocks entstanden, die auf die Nutzung und Reaktivierung vorhandener Stra\u00dfen setzen; im Fall der lang umk\u00e4mpften M\u00fcnster Arkaden wurde mit einer \u00f6ffentlichen Passage durch das Center hindurch zumindest eine Verbindung benachbarter Gesch\u00e4ftsstra\u00dfen geschaffen. In <a href=\"http:\/\/denkmaldebatten.denkmalschutz.de\/kontroversen\/einkaufszentren\/erfurt-roemischer-kaiser\/\">Erfurt<\/a> erweiterte man im Jahr 2000 die Fl\u00e4chen des angestammten Kaufhauses R\u00f6mischer Kaiser von 1908 zum Einkaufszentrum &#8222;Anger 1&#8220;, anstatt, wie 2001 in G\u00f6rlitz, dem benachbarten historischen Warenhaus Konkurrenz zu machen. Und dass auf gro\u00dfe Fl\u00e4chen angewiesene H\u00e4ndler auch ohne Center-Umgebung in historischen St\u00e4dten Raumangebot finden k\u00f6nnen, zeigt das Beispiel <a href=\"http:\/\/denkmaldebatten.denkmalschutz.de\/kontroversen\/einkaufszentren\/detmold-stadthaus\/\">Detmold<\/a>. 2008 zog dort in den f\u00fcrstlichen Marstall am Schlossplatz, seit den 1960er Jahren Sitz der Stadtverwaltung, ein schwedischer Mode-Filialist ein, ohne dass der Bau von 1784\/85 erweitert werden musste. In Celle, wo mehrere Centerkonzepte jahrelang heftig diskutiert und schlie\u00dflich verworfen wurden, sucht man zur Zeit mit einem Planungswettbewerb im Rahmen des Programms &#8222;St\u00e4dtebaulicher Denkmalschutz&#8220; nach dezentralen L\u00f6sungen f\u00fcr eine zeitgem\u00e4\u00dfe Nutzung der Kernstadt. In den kommenden Jahren wird dort zu verfolgen sein, wie Einzelhandel mit der Weiterentwicklung historischer Baubl\u00f6cke in eine nutzungsgemischte Altstadt zu integrieren ist.<\/p>\n<p>Es scheint offensichtlich, dass die Gro\u00dfform Einkaufszentrum, die an der Peripherie in g\u00e4nzlich ungestalteten R\u00e4umen entstand und sich daher folgerichtig gegen die Umgebung abschottete, nicht ohne weiteres in die urbane Mitte \u00fcbertragen werden kann \u2013 weder verblendet mit der ann\u00e4hernd rekonstruierten H\u00fclle eines ehemaligen Residenzschlosses wie in Braunschweig, noch mithilfe vorgesetzter Denkmalreste wie in Hameln. Um sich in den Geb\u00e4udebestand der historischen Stadt zu integrieren, m\u00fcssen Handelsfl\u00e4chen auf eine Gruppe von Bauten verteilt werden, sich in den Grundriss einpassen, der umgebenden Bebauung \u00f6ffnen und deren Proportionen aufgreifen. Sie d\u00fcrfen Wohn- und \u00f6ffentliche Bauten nicht ersetzen, sondern in Mischung mit ihnen entstehen, damit aus der st\u00e4dtischen Mitte keine Geisterstadt wird. Auf Denkmalabbr\u00fcche sind so gedachte Handelsbauten nicht angewiesen.<\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p>Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.): Denkmalpflegerischer Umgang mit gro\u00dffl\u00e4chigem Einzelhandel. Dokumentation der Tagung vom 14. bis 16. 11. 2007 in G\u00f6ttingen (Berichte zu Forschung und Praxis der Denkmalpflege in Deutschland, Band 14). Petersberg 2008<\/p>\n<p>Anne Mayer-Dukart: Handel und Urbanit\u00e4t. St\u00e4dtebauliche Integration innerst\u00e4dtischer Einkaufscenter. Schriftenreihe Stadt + Landschaft, St\u00e4dtebau-Institut, Universit\u00e4t Stuttgart. Stuttgart 2010<\/p>\n<p>Revitalisierung der Innenstadt \u2013 Denkmalpflege als Bestandteil der Stadtentwicklung. Schriftenreihe des Deutschen Nationalkomitees f\u00fcr Denkmalschutz, Band 71. Bonn 2008 <a href=\"http:\/\/www.dnk.de\/Publikationen\/n2359\">DNK-Schriftenreihe<\/a><\/p>\n<p><strong>Internetvereise <\/strong><strong>u.a.:\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bbsr.bund.de\/cln_032\/nn_21890\/BBSR\/DE\/FP\/ExWoSt\/Studien\/ReurbanisierungInnenstadt\/03__Ergebnisse.html\" target=\"_blank\">Bundesinstitut f\u00fcr Bau-, Stadt- und Raumforschung: Ergebnisse einer Studie zur Reurbanisierung der Innenstadt, 2010<\/a><\/p>\n<p>Baustein. Magazin f\u00fcr Stadtentwicklung, Denkmalpflege und Baukultur des Netzwerkes Stadtforen 01|2011, hier: Kontroverse um das Areal am Markt in Altenburg\/Th\u00fcringen (<strong><a href=\"http:\/\/stadtforum-altenburg.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/BAUSTEIN_01-2011_Stadtforum-Altenburg.pdf\" target=\"_blank\">PDF<\/a><\/strong>)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/denkmaldebatten.denkmalschutz.de\/kontroversen\/einkaufszentren\/ \" target=\"_blank\"><br \/>\n<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.denkmalpflege-forum.de\/Download\/Nr34.pdf\"><br \/>\n<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Handel im historischen Stadtkern &#8211; Einkaufszentren und Denkmalschutz Von Katja Hoffmann \/ DenkmalDebatten &#8211; Informationsplattform der Deutschen Stiftung Denkmalschutz Trotz stagnierender Bev\u00f6lkerungszahlen haben sich die Einzelhandelsfl\u00e4chen in Deutschland seit 1980 fast verdoppelt \u2013 von 63 auf heute etwa 120 Millionen &hellip; <a href=\"https:\/\/stadtforum-altenburg.de\/?p=1960\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[9,36,1],"tags":[136,139,70,128,138,137,140],"class_list":["post-1960","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medienspiegel","category-meinungen","category-alles","tag-denkmaldebatten","tag-denkmalschutz","tag-deutsche-stiftung-denkmalschutz","tag-dsd","tag-einkaufszentren","tag-katja-hoffmann","tag-stadtkern"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p1GsgU-vC","jetpack_likes_enabled":false,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/stadtforum-altenburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1960","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/stadtforum-altenburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/stadtforum-altenburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stadtforum-altenburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stadtforum-altenburg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1960"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/stadtforum-altenburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1960\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1999,"href":"https:\/\/stadtforum-altenburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1960\/revisions\/1999"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/stadtforum-altenburg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1960"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/stadtforum-altenburg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1960"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/stadtforum-altenburg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1960"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}